Sonntag, 23. August 2009

Ein Besuch bei den Nachbarn

Liebe Freunde!

Die Ereignisse in den letzten Wochen haben sich geradezu überschlagen, aber ich werde trotzdem versuchen Euch einen Eindruck zu verschaffen. Dieses Wochenende habe ich ruhiger verbracht, aber dazu später mehr.

Das wohl spektakulärste in den letzten Wochen war mein Kurztrip nach China am letzten Wochenende. Es war mein erster Besuch im Land der Mitte und ich habe ganz lässig das Einsteigerprogramm Hongkong, Shanghai, Beijing übersprungen und bin gleich ins Hinterland nach Zhengzhou mit einem Direktflug von Seoul aus gereist. Der Grund war die Einladung von Bing und Yves zu ihrer Hochzeit.

Diese schöne Hochzeit war sehr eindrucksvoll eingerahmt von einem Wochenende in einer Provinzstadt mit 7 Millionen Einwohnern mit einem Lebensstil der fremd und faszinierend ist. Kaum jemand sprach Englisch, mit dem Lesen hatte ich es nicht so und so war Orientierung nur mit telefonischer Unterstützung von Bing möglich, hat aber gut geklappt.

Am Freitag sind wir schon am Vormittag in Zhengzhou gelandet, und die nur vier Stunden Schlaf nach einem Bierabend mit Geschäftsfreunden haben für die richtige, übernächtigte Stimmung gesorgt, die auch über das ganze Wochenende anhalten sollte.

Beim einchecken in das Hotel erwartete mich schon das erste Bemerkenswerte auf meiner Reise:



















Eine Tür, zwei Anschläge


Das ist die Tür in meinem Bad, die je nach Bedarf Tür zum Bad oder zur Toilette sein konnte. Fand ich irgendwie cool...

Erster echter Programmpunkt war der Besuch in den Longmen Caves, die einer der Höhepunkte der chinesischen Felsbildhauerei sind.



















Longmen Caves




















Felsbilder

























Der Weg über den Fluss (aber außer Betrieb)




















Buddhas von der anderen Flussseite




















Treppen und Höhlen


Tausende von Höhlen mit abertausenden von Skulpturen wurden in etwa 1000jähriger Arbeit aus dem Fels geschlagen. Faszinierend. Leider waren die meisten Gesichter zerstört, laut den offiziellen Schildern aufgrund der Witterung und entgegen der unendlichen Bemühungen der Regierung... da lag der Verdacht auf einen Zusammenhang mit der Kulturrevulotion doch irgendwie in der Luft.

Aber um keinen falschen Eindruck zu erzeugen: China hat zu keinem Zeitpunkt bei mir den Eindruck einer fiesen Diktatur hinterlassen, lediglich die Grenzkontrollen waren etwas nervig. Aber wo sind sie das nicht?

Was anders ist in China ist, das es dort Restaurants gibt, in denen in dem Waschbecken auf der Toilette ein Karpfen schwimmt. Glaubt Ihr nicht? Ist aber so:



















Aquarium


Zum Glück hatten wir in dem Laden nur Flaschenbier bestellt... da muss man in China wirklich vorsichtig sein, aber dazu später mehr...

Ach ja, für alle potentiellen Chinareisenden: Die Toiletten sind das schlimmste was man sich vorstellen kann, und dann noch ein bisschen schlimmer. Kategorischer Imperativ: Immer eigenes Toilettenpapier dabei haben und am besten nur im Hotel aufs Klo gehen. Ganz ehrlich und Ihr wisst, dass ich nicht zu penibel bin.

Genug davon, am nächsten Tag war es dann soweit: Bings und Yves großer Tag!
























Tatatataaaa!!!!




















Bruno, Yves, Bing, Kelly, im Hintergrund: Löwe




















Löwentanz





















Der Ehemann schleppt seine Frau herein




















Hochzeitsfoto mit Bings Familie





















Die Partyinsel...




















...DJs...




















...Tänzer...


























...Kids...

























...tanzen bis tief in die Nacht.


Die Nacht war unglaublich heiß, alle waren schweißgebadet, selbst das Bier war warm. Das Konzept kalter Getränke hat sich in Zentralchina noch nicht wirklich durchgesetzt...

Aber das war noch nicht alles, ein Tag blieb ja noch. Nachdem wir morgens früh von der Party ins Hotel gefahren sind (erstaunlicherweise haben wir diese wildeste Taxifahrt meines Lebens heil überstanden), haben wir uns frisch gemacht, kleines Nickerchen und dann gleich wieder los: Zusammen mit Felix den in der Umgebung Zhengzhous gelegenen Tempel der Shaolin (!) besuchen. Die 100 km Fahrt mit dem Taxi war wieder ein eigenes Abenteuer, aber das überspringe ich, denn schließlich geht es hier um die Shaolin, die Wiege der chinesischen Zivilisation:

























Statue mit sozialistischem Flair am Eingang


























Der Shaolintempel ist ein ziemlich großes Areal und einer der schönsten Tempel, die ich besucht habe. Eigentlich kann ich buddhistische Tempel ja nicht mehr sehen...




















Tempeldächer





















Die Bilder täuschen, der Tempel war ziemlich überlaufen. Ich bin einer fotowütigen Horde in die Finger geraten und musste mit gefühlten hundert Leuten Fotos machen, dabei hatte ich gar nicht das Gefühl, dass Ausländer so rar waren.




















"Where are you from?"
"You guess!"
"Oh, I don't know!"
"Okay, one tip: We are from Europe."
"Hm, from America?"
"No! America is not in Europe!!"
"Oh, I am not good in Geography. I am not smart, but can I take another photo with you?"

Alles klar?



















Pagodenwald


























Felix schwer beeindruckt


Der benachbarte Pagodenwald war sehr faszinierend, hatte irgendwie eine klassische Atmosphäre, als seien von einem griechischem Tempel nur die Säulen übrig geblieben.

Die zahlreichen anderen Sehenswürdigkeiten haben wir nicht mehr besucht, der Regen und der näherrückende Abend haben uns bewogen wieder zurück nach Zhengzhou zu fahren.

Mit dem Shaolinmeister konnte ich auch nicht kämpfen. Eigentlich wollte ich das ja ganz klassisch machen: Meister fordern, dann erst den jüngsten Schüler verdreschen, bis hinauf zum Assistenten des Meisters und letztendlich den Meister selbst.

Leider hat man sich meiner Forderung nicht gestellt (es gab da auch keine Anmeldung für Forderer oder so), aber das Essen hatte es in sich. Das ist auch der Grund warum ich dieses Wochenende ohne Feiern zuhause verbringe:

Die Rache der Shaolin hat mich erwischt!!


Verabschieden will ich mit dem Zitat eines berühmten Mannes, leider weiß ich nicht mehr welches berühmten Mannes, wahrscheinlich war es Henry Kissinger:

China! China!! China!!!


Bis bald!

Sonntag, 2. August 2009

Abschiede

Liebe Freunde!

Nun ist der Sommer in Korea auf seinem Höhepunkt angekommen, es ist Tag und Nacht um die 30 Grad und man kommt aus dem Schwitzen nicht mehr raus. Dieser Spaß mit den Auswirkungen des Heat Island Effects wird wohl den August über anhalten und zwingt selbst mich eingefleischten Öko die Klimaanlage zu nutzen.

Drei unserer hiesigen Freunde haben, bevor die Hitze gar zu groß wurde, das Weite gesucht. Björn ist mittlerweile seit ein paar Wochen wieder zurück in Deutschland und zum Abschied hatten wir das zweifelhafte Vergnügen eines Abendessens mit Sundae, der koreanischen Version der Blutwurst, die eine Spezialität in Sillim ist, wo Björn gewohnt hat. Es gibt in Sillim mindestens zwei mehrgeschossige 'Blutwursthäuser' , in dem jeweils ca. 40 kleine Sundae-Restaurants sind.



















Blutwursthaus in Sillim


Eng gedraengt wird dort geschlemmt, abseits der chicen Szenerestaurants von Sinsa und Apgujeong.



















Suju und Florian

























Seyeong und Eunhwa


So, da sieht man schon die Leckerei! Frisches Gemüse, Reiskuchen, Nudeln, Sesampulver und Blutwurst gemischt mit Glasnudeln im Naturdarm. Et là voilà:



















Sundaepfanne à la Sillim-dong


Schmeckt ehrlich gesagt ganz gut, wird aber sehr heiß serviert (direkt unter der Pfanne ist eine Gasflamme) und deswegen muss man schön viel trinken, damit man sich nicht die Schnute verbrennt.

Der zweite Verlust den unsere kleine Expat-Gemeinschaft zu beklagen hat sind Bing und Yves, die in 2 Wochen in China heiraten werden (ich werde berichten) und die dann auf's Erste Korea den Rücken kehren werden. Deswegen haben wir für Yves einen rauschenden Junggesellenabschied organisiert, geprägt von belgischem Humor versteht sich, ich glaube die Bilder sprechen für sich...
























Spiel 1
- Yves als Mexikaner




















Schweinegrippe-Yves mit seinen Ärzten Felix (links) und Bruno





















Das Unheil (Spiel 2) bahnt sich an: Yves lernt wie man sich als Chinesin fühlt

























Anscheinend gut...




















Sogar sehr gut!


Ich hoffe, dass auch Ihr den Sommer mit aufregenden Festen und mit hoffentlich etwas mehr Urlaub als ich verbringt!

Bis zum nächsten Mal!